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"Das Kind in Ehrfurcht empfangen, in Liebe erziehen und in Freiheit entlassen."

Rudolf Steiner

Bereits bei der Gründung der ersten Waldorfschule im Oktober 1919 in Stuttgart forderte Rudolf Steiner, dass auch schon vor dem Schulalter eine "Art Kleinkinderschule" eingerichtet werden müsse, um den Nöten der Zeit abzuhelfen. In den 60-er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurde dieser Impuls an vielen Stellen aufgegriffen. Oft war der Kindergarten an eine Waldorfschule angegliedert. Hier wie in den Waldorfschulen dient die Anthroposophie als Hintergrund für die pädagogische Arbeit; sie ist kein zu vermittelnder Lehrinhalt. Sie wirkt sich eher darauf aus, wie Lehrinhalte vermittelt werden, etwa in den Kindergarten- und ersten Schuljahren ganz stark im Bildhaften, nicht im Abstrakten. Damit wird das Kind altersgemäß an die Welt heran geführt und nicht mit abstrakten Begriffen angefüllt, die sich in seiner Seelenwelt wie Fremdkörper ausnehmen würden.

Was ist eigentlich Waldorfpädagogik?

Waldorfpädagogik ist eine Erziehung, die sich ganz an den besonderen Umständen jedes einzelnen Kindes orientiert, an seinem Alter, seinem Temperament, seinen Bedürfnissen. Waldorfpädagogik ist eine "Einzelfall-Pädagogik", kein Rezeptbuch mit Erziehungsratschlägen. Waldorfpädagogik spricht je nach Alter mehr die Handlungsebene, dann die Gefühls- und zuletzt die Gedankenebene an. Sie versteht den Menschen von Anfang an als ein Geschöpf mit Leib, Seele und Geist.

Das bedeutet im Kleinkind- und Kindergartenalter: Erziehung durch Vorbild und Nachahmung, nicht durch Worte. Für den Erzieher heißt das im Wesentlichen Selbsterziehung, damit das Kind die richtigen Dinge nachahmen kann. Das ist die Handlungsebene.

Das bedeutet im Grundschulalter: Lernen durch Ehrfurcht vor dem Lehrer und liebevolles Vertrauen in das, was er sagt und tut. Das setzt auf die Gefühlsebene des Kindes.

Das bedeutet im Jugendalter: Lernen durch Respekt vor dem Können und Wissen des Lehrers. Das spricht die Gedankenebene an.


Alle drei Ebenen sollen genährt, gepflegt und entwickelt werden. Dafür will Waldorfpädagogik geeignete Bedingungen schaffen und so den Keim für leibliche, seelische und geistige Gesundheit im ganzen späteren Leben anlegen.

Dresden, den 02.01.2019 Michael Schnur
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